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Ein Tag im Leben des Familienhelfers Robert Benedikt

Am 15. Mai, anlässlich des Internationalen Tages der Familie, haben wir einen ganzen Tag per Twitter den Familienhelfer Robert Benedict begleitet. Wer nochmal den ganzen Tag im Zusammenhang lesen möchte, findet hier den Text.

29. Mai 2017 von Claudia Freistühler

9:00: Anruf der Schule von Max.

Max ist nicht zur Schule erschienen, er wurde auch nicht krank gemeldet und die Familie ist nicht erreichbar. Mit der Familie und der Schule ist verabredet, dass ich informiert werde, da Max zu häufig fehlt.

10:00: Ankunft bei Familie W. Max, 9 Jahre alt, öffnet die Tür.

Max ist noch im Pyjama. Die ganze Familie hat verschlafen, die Mutter und Max‘ Schwester sind auch nicht durch mein Klingeln wach geworden. Ich warte bis Max sich angezogen und die Zähne geputzt hat. Zu den Cornflakes fehlt die Milch, Max macht sich ein Brot mit Marmelade und isst ganz langsam.  Fr. W kommt in die Küche und setzt Kaffeewasser auf. Sie macht Max Vorwürfe, da dieser nicht pünktlich in die Schule gegangen ist. Ich bringe Max in die Schule, danach gehe ich zurück zur Familie W., um die Situation mit Frau W. zu reflektieren. Frau W. sagt zu, morgen für Max da zu sein, auch wenn ihrer Ansicht nach Max alt genug ist und sie durch die Nachtschicht morgens müde ist. Wir verabreden einen Termin mit der ganzen Familie für den übernächsten Tag.

12:00: Schulhilfekonferenz in der Sekundarschule von Marina K.

Ich habe den Vater gestern telefonisch an den Termin erinnert und hoffe, dass er kommt. Für Marina steht einiges auf dem Spiel. Herr K. kommt leider nicht und ist auch nicht erreichbar. Marina weiß nicht, wo ihr Vater ist. Marinas Klassenlehrer berichtet, dass Marina ständig ohne Schulsachen in die Schule kommt, den Unterricht häufig ungefragt verlässt und in der letzten Woche einen Schüler aus der 7. Klasse erpresst hat. Die Eltern des Schülers möchten Anzeige erstatten. Marina hält alles für ein Missverständnis, der Junge habe ihr Geld geben wollen. Ich berichte von der aktuellen familiären Situation. Marinas Mutter ist im Anschluss an ihren langen Krankenhausaufenthalt aufgrund ihres Schlaganfalls in eine Reha-Einrichtung in Süddeutschland gewechselt.  Marinas Vater arbeitet sehr viel und ist überfordert mit der Erziehung seiner Kinder. Vor allem Marina hat häufig Konflikte mit dem Vater, die dieser durch rigides und autoritäres Verhalten zu lösen versucht. Alle Beteiligten verabreden, dass Marina gemeinsam mit der Schulsozialarbeiterin eine Wiedergutmachung erarbeiten wird. Marina wird eine Woche vom Unterricht suspendiert, beim nächsten Vorfall wird Marina die Schule verlassen müssen. Marina möchte dies unbedingt vermeiden und verspricht ab sofort keinen Ärger mehr zu machen. Ich werde den Vater beim nächsten Termin gemeinsam mit Marina über die Konferenz informieren. Meine Aufgabe ist es dann, Herrn K. dafür zu sensibilisieren, dass seine Tochter Verständnis und Aufmerksamkeit von ihm benötigt.

13:30: Kurze Pause.

Ich hole mir ein belegtes Brötchen, erstelle die Dokumentation der Termine von heute Morgen und gehe noch einmal die Akten für die Nachmittagstermine durch. Ich habe immer alle relevanten Unterlagen und mein Tablet in einem großen Rucksack dabei.

14:30: Gemeinsam mit Frau F. holen wir Kathrin, 3 Jahre, aus der Kita ab.

Für heute ist die Beobachtung der Interaktion zwischen Mutter und Kind im gemeinsamen Spiel geplant. Frau F. hat Probleme damit, ihre Tochter altersgemäß zu beschäftigen bzw. zur Selbstbeschäftigung anzuleiten. Sie hat bisher keine Kenntnis von kindgemäßem Spiel und „parkt“ ihre Tochter überwiegend vor dem Fernseher bzw. Tablet. In der Kita war aufgefallen, dass Kathrins motorische und kognitive Fähigkeiten nicht altersgemäß entwickelt sind und Kathrin morgens müde und unruhig in die Kita kommt. Daraufhin wurde eine Familienhilfe für die Familie F. beantragt. Gemeinsam mit der Familie werde ich in den nächsten Monaten Strategien für den Umgang zwischen der alleinerziehenden Mutter und der Tochter erarbeiten. Hierzu mache ich zuerst einmal Beobachtungen und führe Gespräche mit der Mutter, über ihre eigene Kindheit, ihre aktuelle Lebenssituation und ihre Gefühle gegenüber dem Elternsein.

17:00 Uhr: Letzter Hausbesuch für heute. Familie Y. erwartet mich bereits mit Tee und Gebäck.

In der Familie mit drei Kindern zwischen 5 und  14 Jahren hatte die schwere Depression des Vaters eine Vielzahl von Folgeproblemen ausgelöst. Die Mutter spricht und versteht nur wenig Deutsch und spielt im Familiensystem eine eher untergeordnete Rolle und konnte nicht einspringen, als der Herr Y. die Post nicht mehr öffnete, sich nicht mehr um die Finanzen der Familie kümmerte und begann die beiden älteren Kinder zu schlagen, da er sich von ihrer Anwesenheit, ihren Bedürfnissen und ihrer Lautstärke überfordert fühlte.  In Folge hat die mittlere Tochter im Alter von 7 Jahren wieder das Bett genässt und der älteste Sohn ist durch mehrere Diebstähle in Super- und Elektromärkten aufgefallen. Die schulischen Leistungen der beiden Kinder sind massiv abgefallen. Der jüngste Sohn zeigt massive Verlassensängste, will weiterhin bei seiner Mutter im Bett schlafen und muss häufig aus der Kita abgeholt werden, weil er ohne seine Mutter nicht zu beruhigen ist.

Nach einem Jahr Familienhilfe wird die Situation langsam besser.

Gemeinsam konnten wir die Kündigung der Wohnung aufgrund fehlender Mietzahlungen verhindern, Die Leistungen vom JobCenter werden wieder bezogen, die Mutter ist nun zuständig für die Bedarfsgemeinschaft. Herr Y. konnte zu einer ambulanten Therapie bewegt werden, wir haben eine muttersprachliche Therapeutin für ihn gefunden. Fr. Y wird einen Deutschkurs machen, um perspektivisch auch ohne meine Unterstützung die täglichen Angelegenheiten zu regeln. Nun können wir beginnen, am Umgang zwischen Eltern und Kindern, den Eltern und Kindern untereinander zu arbeiten. Beide Eltern müssen lernen ihre Erziehungsverantwortung auch in für sie schwierigen Situationen wahrzunehmen und ihren Kindern bei persönlichen Krisen gegenüber offen zu sein, um diffuse Ängste und daraus resultierende Verhaltensauffälligkeiten präventiv entgegenzuwirken. Das ist noch ein langer Weg.

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